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Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft führt ihn der Weg nach Hamburg. Dort startet Martin Böttcher seine musikalische Karriere im von Willi Steiner neu formierten Tanz- und Unterhaltungsorchester des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks, das selbst im Big-Band-verwöhnten England mit Hochachtung erwähnt wird. Nebenbei eignet sich Böttcher sein musikalisches Rüstzeug bei Generalmusikdirektor Richard Richter und auf dem U-Gebiet bei Kurt Wege an.
Bevorzugte Musikgattung ist zunächst der Jazz, wo es Martin Böttcher schafft, als Gitarrist zur Nummer 2 im deutschen Jazz-Poll aufzusteigen.
Später gesellte sich dem NWDR-Orchester noch der Bassist Hans Last hinzu, der dann unter dem Namen "James Last" Weltruhm erlangen sollte. Der spielte übrigens auch, zusammen mit anderen Musikgrößen aus der Jazz-Szene wie Fatty George, Horst Fischer, Bill Grah und Ernst Mosch, in Böttchers Formation Mr. Martin's Band (Bild rechts) mit.
1950 spielte der "Soundbastler" die ersten Gitarrentrickaufnahmen in Deutschland ein.
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Bereits ab 1946 schrieb Böttcher Arrangements. 1954 nahm er dann Abschied vom NDR und wechselte vom Notenpult zum Skizzenpapier. Dem wiederaufblühenden deutschen Film entgeht das Talent Martin Böttcher nicht. Dank Produzent Artur Brauner debütiert Böttcher 1955 mit der Musik zur Militärsatire Der Hauptmann und sein Held, und schon die zweite Filmmusik avanciert zu einem Meilenstein des deutschen Films. Die Halbstarken (1957) - in der Hauptrolle Horst Buchholz- von Georg Tressler wird ein riesiger Erfolg.
Am 6. Februar 1960 nimmt Martin Böttcher an der deutschen Endausscheidung zum Eurovision-Songwettbewerb mit dem im Vorfeld hochgehandelten Titel "Oh, wie schön" teil. Der Titel wird gesungen von dem belgischen Entertainer Tony Sandler, der später in Las Vegas ein großer Star wird. Die Übertragung der Sendung ist das TV-Ereignis des Jahres. Das Lied schlägt sich achtbar auf einem vorderen Platz. Gewonnen hat allerdings "Bonne nuit, ma cherie" von Wyn Hoop vor "Wir wollen niemals auseinander geh'n" von Heidi Brühl. Der Titel von Wyn Hoop wird dann im eigentlichen Eurovision-Song-Contest Vierter.
Anfang der sechziger Jahre beauftragt Rialto-Chef Horst Wendlandt den Komponisten mit Filmen aus seiner Edgar-Wallace-Reihe. Martin Böttchers Melodien liefern den Krimimärchen aus Germany die notwendige musikalische Unterstützung, ob sie nun locker daherkommen oder in rasanter Form das Geschehen begleiten.
"In einer Zeit, da Elektrobass, Elektrogitarre und Synthesizer als letzter Schrei gepriesen werden, schon ein in den Vordergrund gezogener Rythmus als neuer Sound bejubelt wird, breitet Martin Böttcher wie ein Raumgestalter zunächst einmal den weichen
Teppich seiner Geigen aus, auf dem er dann das übrige Interieur präsentiert. "Sichtbare Musik" - dieser Begriff umschreibt am Besten die Arbeit des Komponisten und Dirigenten Martin Böttcher." | |||||||
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Martin Böttchers Verdienste als Arrangeur und Orchesterleiter sind selbst den Amerikanern nicht entgangen. Die "Max Steiner Society" verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft, als man seine Einspielungen der Weltmelodien "Tara's Theme" und "A Summerplace" vernimmt. | |||||||
![]() Lex Barker - Pierre Brice in Der Schatz im Silbersee |
Mit seiner Musik für die Karl-May-Filme avancierte Martin Böttcher in den 1960er-Jahren zum erfolgreichsten deutschen Filmkomponisten. Das Titelthema zum Karl-May-Film "Der Schatz im Silbersee" - die "Old Shatterhand - Melodie" - führte 1962 17 Wochen lang die Charts in Deutschland an und wurde mehr als 100.000 mal verkauft. Ein absolutes Novum in der deutschen Musikgeschichte zu der Zeit.
Zu insgesamt 10 Karl-May-Kinofilmen verfasste er die passende Musikuntermalung (und außerdem zur ZDF- Karl- May-Serie "Kara Ben Nemsi Effendi"). "An dem Erfolg des Films ist zur Hälfte die Musik beteiligt", so schrieb damals ein Kritiker nach der Uraufführung von "Der Schatz im Silbersee". Und auch heute noch ist die Musik erfolgreich. Vor einiger Zeit erschienen die kompletten Original Soundtracks auf einer Kollektion mit 5 CD's (leider war es nur eine limitierte Auflage und ist ausverkauft.). Als "Nachfolger" gibt es bei Bear Family die Gesamtausgabe der Karl-May-Filme unter dem Titel "Wilder Westen - Heißer Orient", angereichert mit einem dicken Filmplakatebuch. (Zugreifen - die ist wahrscheinlich auch schnell weg.) | ||||||
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"Für mich war es eine besonders schöne Zeit, als ich die Musik zum Schatz im Silbersee und all den anderen Filmen komponieren durfte. Es hat wahnsinnig viel Freude gemacht - nicht nur, weil mir die Melodien so viel Erfolg brachten, sondern weil die Filme meiner Mentalität entgegenkamen. Das Grundmotiv war die Freiheit und die Ungebundenheit des Menschen. Ich musste nicht lange überlegen, bis mir die passenden Noten einfielen, die Musik kam aus dem Bauch. Vielleicht ist sie gerade deshalb so ein Erfolg geworden."
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Old Shatterhand Melodie, 53,8 Sek. | ||||||
Mit dem Kinosterben Ende der sechziger Jahre verlegt Martin Böttcher seinen Wirkungskreis verstärkt auf das Fernsehen. Bereits 1961 hatten die Sendeanstalten bei ihm angeklingelt. Der Übergang vom Kino zum Fernsehen verlief fließend, denn hier wie dort kommt es darauf an, musikalische Einfälle mit handwerklicher Genauigkeit nach der Stoppuhr verbinden zu können, dramaturgische Höhepunkte oder Stimmungen wie Monotonie, Einsamkeit, Verliebtsein, Momente der Spannung auf die Sekunde genau zu vermitteln. Das beherrscht Martin Böttcher, es liegt ihm. Aber dies alleine ist nicht das Geheimnis seiner Erfolge. Hinzu kommt die Handschrift des Komponisten, eben jener "Martin-Böttcher-Sound", der immer wieder aufs neue fasziniert, der wie ein Fingerabdruck ist.
Der Autor des TV-Mehrteilers Der Illegale, Henry Kolarz, stellt in dieser Zeit treffend fest: So entstehen in den folgenden Jahren weitere unvergängliche Melodien zu Fernseh-Highlights wie Es muss nicht immer Kaviar sein, Schöne Ferien oder Forsthaus Falkenau. In den neunziger Jahren startet u. a. Air Albatros, eine ganz besondere Sache für den Komponisten, denn hier kann Martin Böttcher seiner Fliegerleidenschaft musikalisch Tribut zollen. Und als Pierre Brice für das ZDF wieder als "Winnetou" in den Sattel steigt, ist Martin Böttcher selbstverständlich erneut mit von der Partie. Und auch bei zwei Geschichten, die in der ARD im April 2003 mit Ottfried Fischer als Pfarrer Braun liefen (in Anlehnung an die erfolgreichen Pater-Brown-Filme mit Heinz Rühmann), wurde Böttcher beauftragt eine Titelmelodie im Stil der Kinofilme zu verfassen. Das "Sammelthema" aus den Kinofilmen wurde sogar ohne jede Änderung in den Soundtrack mit übernommen. | |||||||
![]() Fotos: © GEMA Herzlichen Dank an Frau Dr. Elfriede Oberhofer, GEMA München, für die Farbfotos. |
Zahlreiche Ehrungen wurden Martin Böttcher (im Bild links) im Laufe der Zeit zuteil. Am 9. November 1995 wurde er für seinen "besonderen Beitrag zur deutschen Filmgeschichte" in Bonn mit dem "Ehrenpreis für Filmmusik" ausgezeichnet (gestiftet u.a. von der Stiftung Deutscher Kinemathek, dem Deutschen Musikrat, der Deutschen Phono-Akademie und der Filmstiftung des Landes Nordrhein- Westfalen). Am 17. Mai 1996 wurde die Komposition "Friedensmelodie" im Rahmen der Radebeuler Karl-May-Tage live uraufgeführt. Hintergrund dieses Benefizkonzertes war der Wunsch der beteiligten Künstler und Initiatoren, eine Spende für das Kinderkrankenhaus in Mostar zusammenzutragen. Schließlich entstanden vor rund 30 Jahren in jener Gegend die Karl-May-Filme (und nicht den Alpen, wie uns der Corel All Movie Guide weismachen will). | ||||||
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Als Hauptthema verwendete er die "Winnetou Melodie" aus dem Kinofilm Winnetou II und auch die "Friedensmelodie" fand ihren Weg in den Soundtrack.
34 Jahre nach der erstmaligen Aufführung von "Winnetou II" ist die Musik auch im neuen Gewand von Rap/Techno erfolgreich. Am 12. September 1998 wählten die Zuschauer der ZDF-Hitparade die Adaption der Winnetou-Melodie von der Gruppe "Superboys", mit dem Titel "...wünscht Du wärst bei mir", auf den ersten Platz (siehe "Discographie: CD-Singles").
Im Juli 1998 wurde Martin Böttcher aus Anlass seiner 50-jährigen Mitgliedschaft von der GEMA geehrt. Am 15.04.2000 erhielt er in Titisee-Neustadt (Schwarzwald) den Edgar Wallace-Preis in Gold für Verdienste um den deutschen Kriminalfilm.
Martin Böttcher war beim Konzert persönlich anwesend - und dirigierte einen Teil des Konzertes mit der Jugend selbst. Solist war Pepe Solera aus München an der Mundharmonika, ein musikalischer Studio-Weggefährte Böttchers. Für das Konzert hatte Herr Böttcher den Veranstaltern 12 Originalpartituren überlassen, welche eigens für das Konzert neu arrangiert wurden. Der ORF Vorarlberg/Hörfunk zeichnete dieses Konzert auf.
Im Vorgriff auf seinen 75. Geburtstag am 17. Juni 2002 erhielt Martin Böttcher einen Gutschein für einen Zeppelin-Flug am Bodensee. Die restlichen Medien hielten es nicht für nötig, seinen 75. Geburtstag zu würdigen.
Der sehr sympathische, eher zurückhaltend und bescheiden auftretende Mann lebt mit seiner Frau, der Schauspielerin Anneliese Kaplan (u.a. in: "Meines Vaters Pferde" (1953), "Käpt'n Bay-Bay" (1952), "Der Raub der Sabinerinnen" (1954), "Der Fischer vom Heiligensee" (1955), "Zwischenlandung in Paris" (1955). Sie war auf dem Titelbild der Zeitschrift "Constanze" vom 08.04.1953.), abwechselnd in Lugano und auch auf Sardinien. Seine große Leidenschaft galt dort dem Surfen. Er war der erste, der sich in Deutschland ein Brett zum Windsurfen zulegte, noch bevor das eine "Trendsportart" wurde. Bei dem Sport erholte er sich von seiner anstrengenden Arbeit und einem vollen Terminkalender. Seine verheiratete Tochter Betsy lebt in Norddeutschland.
Übrigens: Der Flügel, an dem Martin Böttcher die "Old Shatterhand-Melodie" komponierte, steht seit Anfang der 90er Jahre im Steigenberger Parkhotel in Radebeul. | |||||||
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Mit freundlicher Genehmigung der |
![]() Auf der DVD finden Sie das Interview natürlich in einer deutlich besseren Qualität. |
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| Autogrammadresse: Martin Böttcher
CH- 6827 Brusino Arsizio (Autogrammanfragen nur per Post. Bitte einen selbstaddressierten Rückumschlag und einen internationalen Antwortschein beilegen) |
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Design / Grafik /Programmierung
Titelbild-Kollage unter Verwendung eines Fotos von der Autogrammkarte.
Ein Teil des obigen Textes stammt von Reiner Boller.
Jugendfoto aus dem Booklet der CD "Kriminal-Filmmusik Vol.2".
VideoClip-Bearbeitung von Videotechnik Groepler, Aufnahme von Thomas Vogt.
Foto von der Übergabe der Platin-Auszeichnung von Tomás Nemec.
Foto von Mr. Martin's Band von der CD Die Halbstarken / Endstation Liebe.
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© Wilfried Wittkowsky, Webmaster